Wir alle sind unangepasst
Die Medien, Politiker, Neonazis und auch die "anständigen" Leute sind sich einig - die momentan größte Gefahr sind - die Unangepassten. Das spöttische Attribut wird zur Beschimpfung aller benutzt, die einem nicht gefallen: der Romas, HausbesatzerInnen, Techno-AnhängerInnen, der Armen.
Dieses Attribut sagt viel über die Gesellschaft aus, die es gebraucht - ihre Priorität ist die Anpassungsfähigkeit. Sie will gehorsame Karrieristen aus uns machen, die ihrer Umgebung gegenüber gleichgültig sind und die bereit sind sich einzureihen.
Dabei zielt ,die Unangepasstheit' auf das Wichtigste das wir haben - unsere Freiheit. Eine anpassungsfähige Freiheit ist ein Widerspruch, denn Freiheit ist eben nicht anpassungswillig.
Die ,Unangepassten' sind in Wirklichkeit Gruppen, die sich nach der Meinung der Mehrheit ihrem erlittenen Verlust anpassen sollen. Es sind unter anderem Gruppen denen es verboten wurde ihr Nomadenleben zu führen, zum Beispiel die zur Sesshaftigkeit gezwungenen Romas, oder Techno-AnhängerInnen. Durch die Räumung des letzten tschechischen Hausprojekts Milada hat der Staat den HausbesetzerInnen nicht nur ein Raum für Wohnalternativen, sondern auch Kulturalternativen genommen. Dies bedeutet nicht nur einen Verlust für die direkt Betroffenen, sondern es ist gleichzeitig ein Schlag für Alle, denen die Freiheit und Vielseitigkeit der Gesellschaft was bedeutet.
Unser Ekel gegenüber dem Attribut ,unangepasst' bedeutet nicht, dass wir solch ein Benehmen verteidigen wollen. Aber angesichts der existierenden Probleme haben wir zwei Möglichkeiten: entweder reale Lösungen zu suchen, oder die mutmaßlichen Täter zu dämonisieren.
Als 'Unangepasste' können wir zwar unsere Rechte fordern, Petitionen schreiben und daran erinnern, was uns durch die Repressionen genommen wurde. Wir haben uns aber wiederholt davon überzeugt, dass uns das Weggenommene nicht in gleicher Form zurückgegeben wird. So kam zum Beispiel der letzte Czechtek wie seine eigene Parodie rüber. Unsere Freiheit werden wir also selber verteidigen müssen: indem wir weitere Häuser besetzen, weitere Straßen-Karnevals veranstalten und unsere eigenen Feste feiern.
Die Tschechische Initiative Freedom Not Fear entstand als Reaktion auf die internationale Aktion gegen Repressionen. Der letzte Jahrgang des DIY Karnevals hatte die Repressionen des Staats zum Thema. Hier wollen wir auch dieses Jahr anknüpfen und widmen den kommenden Karneval dem Thema der Gewalt, die aber nicht nur der Staat, sondern auch ein Grossteil der Gesellschaft durch das verächtliche Attributieren bestimmter Gruppen verübt. Auch dadurch wird nämlich Angst gemacht, Angst die unsere Freiheit einschränkt.